Leben trotz Verletzungsgeschichte

Jeder Mensch erlebt in seiner Biographie enttäuschende und verletzende Erfahrungen. Je früher sich diese ereignet haben, desto prägender sind sie für den weiteren Lebensvollzug und je früher sie mit Hilfe von Fürsorgepersonen oder therapeutischer Hilfe aufgearbeitet werden, desto weniger beeinträchtigen sie das weiter Leben der Betroffenen.

Jedoch gravierende Verletzungen wie Missbrauch, v.a. der sexuelle Missbrauch, führen sehr oft dazu, dass der Mensch diese verdrängt, weil sie zu schmerzlich und sehr oft auch lebensbedrohlich sind.
Abwehrmechanismen wie Verdrängen, Verleugnen oder Abspalten von Erinnerungen, Gefühlen, Körpererfahrungen sind notwendig, um bei einem lebensbedrohlichen Trauma zu überleben.
Oft bleiben solche traumatischen Lebensereignisse jahrelang verborgen, wirken aber im Verborgenen weiter und können sich als psychosomatische Erkrankungen, Depressionen oder Persönlichkeitsstörungen im Alltag der Betroffenen zeigen.

Verdrängte Traumata und damit verdrängte Gefühle und oft auch verdrängtes Körperbewusstsein blockieren sehr viel Lebensenergie, denn die Energie, die für die Verdrängung benötigt wird, geht für das Leben verloren und können somit das Leben enorm hemmen. Das traumatische Ereignis wird „verkapselt“ und darum herum gelebt. Da es viele Außenreize gibt, die an die Verletzung erinnern können, müssen auch solche Außenreize gemieden werden. In Folge dessen kann es zu unguten Übertragungen kommen, die die aktuellen Beziehungen im Hier und Heute gefährden, obwohl die Ursachen in der Vergangenheit verborgen sind.

Meist ist der betroffene Mensch unbewusst so damit beschäftigt, alles zu kontrollieren und auf möglichst perfektem Niveau zu funktionieren, damit ja nichts aus dem traumatischen Geschehen ins Bewusstsein dringt, und er sein ganzes Leben nur noch als eine schwere Last und als Kampf empfindet.
Mit eingefrorenen Gefühlen erlebt er sich wie innerlich abgestorben.

Wir möchten uns der Verletzungsgeschichte innerhalb eines geschützten Rahmens langsam annähern und sie auf dem Weg zur Aussöhnung mit sich selbst, mit anderen, wenn möglich, und mit Gott, begleiten.