Wer bin ich?

Wer bin ich? „Wer bin ich?“ ist eine der am häufigsten gestellten Fragen von uns Menschen, vor allem in heutiger Zeit in der es sich so anfühlt, als ob man von außen gelebt wird. Wer nicht flexibel, mobil, leistungs- und anpassungsfähig ist hat es schwer im Leben. Denn heute ist der Mensch gefragt, der funktioniert. Er wird gemessen am IQ und am EQ, er muss in das Leistungssystem hineinpassen und in immer kürzer Zeit immer mehr zustande bringen.

Wo bleibt da der Sinn? Geht es nur darum, möglichst viel anzuhäufen: Materielle Güter, Macht, Wissen, Titel......... Bei diesem ständigen Streben nach mehr fällt es auf, dass die Beziehungen der Menschen immer konfliktbeladener werden. Man versteht sich nicht mehr und oft weiß man schon gar nicht mehr wie Verständigung zwischen Menschen überhaupt praktiziert wird.

Der Mensch misst sich an dem was er tut und kann nicht mehr einfach nur sein. „Haben oder Sein“ könnte man heute umändern in „Tun oder Sein“. Der Mensch von heute ist ein Getriebener und findet immer weniger zur Ruhe und somit auch immer weniger zu sich selbst. Er lebt größtenteils fremdbestimmt.

Und eben das führt zu den uns bekannten Krisen, wie z.B.: Burnout, Angststörungen, Depressionen, Krankheiten wie Schlaganfall und Herzinfarkt,...

In jeder Krise gibt es eine „Unterbrechung“. Es ist etwas „zu Bruch“ gegangen, zerbrochen, das Ende einer Täuschung, eine Desillusion. Dieses Zerbrechen kann uns „zugrunde“ gehen lassen. Wenn man das „zu Grunde gehen“ wörtlich nimmt bedeutet es, jede Krise bietet gleichzeitig eine Chance, den Grund, auf dem das eigene Leben aufgebaut ist, zu hinterfragen und gegebenenfalls auf einem neuen Grund das Leben neu aufzubauen und anders weiterzuleben. Der Mensch darf nun neu erkennen: „Woher komme ich? Wer oder was hat mein seitheriges Leben geprägt? Was hat zum Zerbuch geführt? Welche Lebensbereiche dürfen in einen Veränderungsprozess hineingeführt werden? Wohin will ich gehen? Was ist mein Lebensziel? Wohin bin ich unterwegs?

Gott sagt von sich: „Ich bin der Ich bin da“ und er hat uns als sein Ebenbild geschaffen als Menschen, die auch „Da-Seiende“ sind, jeder auf seine ganz individuelle Art, in der Ergänzung zueinander und in der Bereicherung füreinander.

In der Bibel wird der Begriff „Erkennen“ mit der intimsten Hingabe, dem „Geschlechtsakt“, gleichgesetzt. Wir sind von Gott erkannt und geliebt (1.Kor. 13, 12-13)

Gott sieht den einzelnen, er wendet sich ihm zu, d.h. gibt ihm Zuwendung. Er sucht die Beziehung zu ihm, um mit ihm zu leben, ihn zu lieben und ihm zu zeigen, wer er ist. Beziehung leben bedeutet, einander immer tiefer kennen lernen. Erst als ein geliebtes Gegenüber bekommt das menschliche Leben seinen Sinn. „Das Ich wird am Du zum Ich“ sagt Martin Buber. Erst durch das geliebt werden erfährt der Mensch Wertschätzung. Durch Gottes Liebe in uns werden wir fähig, uns selbst und auch unser Gegenüber zu lieben.

Damit der Mensch sich selbst kennen lernen kann, braucht er daher nicht die Leistung - die verschafft nur kurzfristig Anerkennung – sondern Liebe, Selbstannahme. Und um das eigene Selbst annehmen zu können, muss er sich erst einmal diesem Selbst zuwenden. Selbstwahrnehmung führt zum Selbstbewusstsein, diese zur Selbsterkenntnis, zum Selbstvertrauen, zur Selbstsicherheit und damit zur Selbstverantwortung und Selbstständigkeit, die es dann möglich macht, sich anderen Menschen hinzugeben, ohne vereinnahmt oder von ihnen abhängig zu werden.

Erst eine gesunde Selbstliebe hilft uns, andere Menschen zu lieben und aus einem krankhaften Egoismus herauszukommen.

Wir möchten Menschen begleiten auf dem Weg des Sich-Kennenlernens und der Selbstannahme.